Am 27. April 2020 deklassifizierte das amerikanische Verteidigungsministerium eine Reihe von Videos auf denen Flugobjekte zu sehen sind, die laut Pentagon trotz eingehender Untersuchungen unidentifiziert geblieben sind. Es handelt sich hier um im Internet längst bekannte, kurze Videoclips mit kryptischen Namen wie FLIR und GIMBAL, die in den vergangenen Jahren vom US Militär aufgenommen wurden und die nicht nur unter Hardcore-Verschwörungstheoretikern für Spekulationen gesorgt haben, dass Außerirdische den Planeten Erde möglicherweise längst besucht haben. Ich bin weder Freund oder Kenner der UFO-Szene noch ein großer Science Fiction Fan. Anlässlich der Freigabe dieser berüchtigten UFO-Videos will ich mich aber kurz auf die Frage einlassen, welche Rückschlüsse man aus ein paar wenigen Beobachtungen ziehen kann, wenn man einmal annimmt, dass sie wahr sind und nicht auf optischen Täuschungen, Wunschdenken oder fehlerhafter Beobachtungstechnologie beruhen.

Besonders interessant ist ein inzwischen weit bekannter Vorfall, der sich im November 2004 ein Stück vor der Kalifornischen Pazifikküste ereignet hat. Das Kriegsschiff USS Princeton entdeckte dort ein ungewöhnliches, sich langsam bewegendes Objekt auf dem Radar, woraufhin ein paar Militärflugzeuge, die gerade in der Luft waren, dorthin geordert wurden, um sich das Objekt aus der Nähe anzusehen. Wenn man die Berichte der Piloten und insbesondere eines Commander David Fravor zusammenfügt, war das Objekt wohl zuerst im und dann knapp über dem Wasser. Während Fravors Flugzeug von weit oben in einer Spiralbahn seine Flughöhe absenkte, um näher an das Objekt hearn zu kommen, reagierte das Objekt darauf, indem es Fravors Maschine auswich und  die Kreisbewegung nachahmend nach oben aufstieg. Fravor leitete dann ein plötzliches Maneuver ein, um sich auf einer geraden Linie an das Objekt anzunähern, worauf das Objekt mit einer plötzlichen Bewegung so schnell auswich, dass es von einer Sekunde auf die andere aus dem Gesichtsfeld des Piloten verschwand. Ein anderes Militärflugzeug, das weiter oben geblieben war und den ganzen Vorgang beobachtet hatte, verlor das Objekt ebenfalls aus den Augen. Nur wenige Sekunden später wurde es 97 km entfernt im Radar gesichtet und musste demzufolge mit einer Geschwindigkeit dorthin gelangt sein, die etwa 30 mal so schnell wäre, wie die Maximalgeschwindigkeit eines amerikanischen Kampfjets. Die Piloten und die Beobachter am Radar, die diese unnatürlich schnelle Bewegung sahen, waren ratlos. Kein irdisches Flugzeug hätte eine solche Geschwindigkeit je erreichen können, erst recht nicht ohne jede Beschleunigungsphase. Fravor beschreibt das Erscheinungsbild des rätselhaften Objekts als oval geformt wie ein Tic Tac, ohne erkennbare Düsen oder Flügel.

Sicher könnte jeder Ufologe der etwas auf sich hält noch weit mehr über diesen bekannten Vorfall sagen, aber mir sollen diese wenigen Details hier genügen. Fravors Aussage erscheint mir einigermaßen glaubwürdig. In Interviews hat er betont, dass man in militärischen Kreisen für jedes UFO, dass man gesehen haben will, erst einmal ausgelacht wird, und dass er selbst nie an diese Dinge geglaubt hat. Natürlich können einen die Radargeräte und auch die eigenen Sinnesorgane täuschen, und gewisse Gutachten über diesen Vorfall begnügen sich mit dieser Erklärung. Aber was würde es bedeuten, wenn es sich bei dem von den Piloten und dem Radar wahrgenommenen etwas über dem Wasser tatsächlich um ein Flugobjekt außerirdischer Bauart gehandelt hätte? Die von Fravor beschriebene, schnelle Fluchtbewegung würde bedeuten, dass die Funktionsweise dieses Dinges nicht mit irgendeinem uns bekannten Antrieb vergleichbar ist. Ohne darüber zu spekulieren, wie das Objekt seine unglaubliche Fluchtgeschwindigkeit von einem Moment auf den anderen erreicht haben konnte, und ob hier Warp-Antriebe, Raumkrümmung und Wurmlöcher im Spiel waren, folgt daraus jedenfalls, dass die Erbauer uns technologisch weit überlegen wären. Es ist ein Unterschied, der nicht durch irgendein Fine-Tuning uns bekannter Techniken zustande kommen könnte, sondern ein völlig neues Verständnis der Physik zu vorauszusetzen scheint. Ein solcher Fortschritt erscheint überhaupt notwendig, wenn eine Zivilisation von weit außerhalb unseres Sonnensystems in absehbarer Zeit ein Objekt hierher schicken will.

Die zweite interessante Aspekt in Fravors Bericht ist: Das UFO ist einer Konfrontation mit dem Piloten ausgewichen. Das passt mit der Tatsache zusammen (unter Ausschluss gängiger Verschwörungstheorien um die), dass wir mit den Erbauern dieses Objektes bisher keinen Kontakt hatten, und dass sie uns insbesondere trotz ihrer technischen Überlegenheit nicht längst angegriffen haben. Immerhin ist die Sichtung des Objektes nun mehr als fünfzehn Jahre her, was für einen vernichtenden Angriff a la Independence Day vermutlich genügt hätte. Darüber hinaus liegt der Gedanke nahe, dass diese Zivilisation nicht nur dieses eine Schiff hierher geschickt hätte und dies nicht die erste Reise dieser Aliens zur Erde gewesen wäre. Der Umstand, dass es bisher also trotz allem nicht zu einem Kontakt mit den Außerirdischen gekommen ist, ist für manche ein Grund, die ganze Sache als unlogisch abzuhaken. Meiner Meinung nach wäre dieser fehlende Kontakt aber im Gegenteil vollkommen plausibel.

Zum Vergleich stelle ich mir einen Forscher des neunzehnten Jahrhunderts vor, jemanden wie Alexander von Humboldt, der auf einer seiner Reisen erstmalig eine Hochebene in Südamerika betritt. Diese Gegend wird vielleicht von einem Rudel Meerschweinchen bevölkert, und trotzdem ist es naheliegend, dass der Forscher kein Interesse an diesen Tieren hat und seinen Geschäften nachgeht, ohne diesem Rudel in die Quere zu kommen. Selbst wenn diese Meerschweine die intelligentesten Tiere sind, die auf der Hochebene leben, wäre es vollkommen verständlich, wenn er an ganz anderen Dingen interessiert ist, an den Pflanzen oder geologischen Gegebenheiten des Ortes, und die Tiere bei seinen Untersuchungen völlig ignoriert.

Wir haben die naive Vorstellung, dass Außerirdische sich erst einmal bei uns anmelden und mit unserem Anführer sprechen wollen. Erstens wären sie dabei wahrscheinlich genau so chancenlos wie von Humboldt, wenn er mit Meerschweinchen kommunizieren wollte, und zweitens: Warum sollten sie es überhaupt versuchen? Was könnte eine technisch so weit überlegene Zivilisation von uns, oder was könnte von Humboldt aus einem Gespräch mit den Meerschweinchen lernen, falls es keine Sprachbarriere gäbe? Der Bau unterirdischer Gängen und die Gräser, die für einen Meerschweinchenmagen verdaulich sind – viel mehr käme dabei nicht heraus. Es mag ein zoologisches Interesse an diesen Details geben, aber im Großen und Ganzen, wenn man bedenkt, dass hier zwei  Spezies aufeinander treffen und eine gigantische Kommunikationslücke überbrücken müssten, wäre diese Art von Information den Aufwand nicht wert. Wir hätten dieser überlegenen Zivilisation wahrscheinlich nichts zu erzählen, wofür sich der mit Mühen und Risiken verbundene Kontakt lohnen würde. Über unsere Mathematik,  Physik und Chemie wären sie weit hinaus, unsere Biologie kennen sie vielleicht schon, unsere Kultur muss ihnen fremd bleiben und könnte sie höchstens aus Liebhaberei interessieren. Unsere schönsten philosophischen Einsichten hätten in ihrem Denken vielleicht nicht einmal eine Bedeutung. Selbst wenn wir ihnen in gewissen Bereichen überlegen wären, könnten wir wahrscheinlich nichts bieten, was in ihrem Kontext von Bedeutung wäre und ihre Zivilisation voranbringen würde.  Ein Gespräch mit uns wäre für sie unbedeutend und ein Krieg mit uns nur lästig. Es ist also vollkommen plausibel, dass sie uns meiden oder sogar ignorieren, um sich hier dem eigentlichen Ziel ihrer Expedition zu widmen.

Es stellt sich also die Frage, was Sie hier wollen, wenn sie offenbar nicht unseretwegen gekommen sind. Abgesehen von unserer Existenz zeichnet sich der Planet Erde unter allen kosmischen Orten, an denen sich diese fortschrittlichen Reisenden herumtreiben könnten, insbesondere dadurch aus, dass hier überhaupt das im Kosmos offenbar seltene Phänomen lebender Organismen auftritt. Das ist in jedem Fall eine Gemeinsamkeit mit dem Heimatort ihrer eigenen Zivilisation. Es wäre naheliegend, dass diese Aliens selbst aus einem langen Evolutionsprozess hervorgegangen sind und diesen inzwischen weitgehend erforscht haben, so wie auch wir von der  Evolution wissen. Trotz ihrer Fortschrittlichkeit ist es aber möglich, dass Fragen offen geblieben sind, die auch wir bisher nicht beantworten können, und zwar insbesondere die nach dem Anfang dieses Prozesses, der Entstehung des ersten Lebens. Für uns ist nicht geklärt, ob ein kompliziertes System wie die DNA und ein damit verbundener Mechanismus, der die dort codierte Information verarbeitet, durch einen Zufall entstanden sein kann. Welche Vorstufen dieses Systems es möglicherweise gab und wie irgend ein System dieser Art zum ersten mal auftreten konnte, ist unklar. Es sind offene Fragen, die für unser Weltbild und ein Verständnis der Rolle von dem was wir Leben nennen eine fundamentale Rolle spielen. Vielleicht sind Fragen dieser Art fundamental und schwierig genug, um auch einer hochentwickelten Spezies von Außerirdischen Kopfzerbrechen zu bereiten.

Eine der Einschränkung für unsere Erforschung dieser Fragen ist offensichtlich, dass wir nur den einen Evolutionsprozess untersuchen können, der auf der Erde stattfindet. Wir haben keine Möglichkeit zum Vergleich und können nicht wissen, ob auch vollkommen anderes Leben hätte entstehen können, vielleicht mit einem ganz anderen Reproduktionsmechanismus. Diesen Vergleich aber hätte eine außerirdische Zivilisation nun zur Verfügung, die eine Forschungssonde auf die Erde schicken kann. Im Pazifik Organismen zu untersuchen und für die heimischen Labore zu sammeln wäre ein naheliegendes und sehr nützliches Vorhaben. Anstelle des menschlichen Lebens können für die Fragen zur Evolution und zur Entstehung des Lebens die einfachsten Lebensformen viel interessanter sein, da es sie in ähnlicher Form schon sehr früh in der Geschichte des irdischen Lebens gegeben hat. Ein Vergleich von vor der kalifornischen Küste aufgesammelten Kleinstlebewesen mit den ganz anderen Lebensformen ihrer Heimat könnte der Erklärung, wie das Leben dort und hier entstanden ist, einen Schritt näher kommen.

Meine Vermutung wäre also, dass David Fravor eine Forschungssonde gesehen hat, einen zehnmal besseren, großen Bruder unseres Mars-Rovers wenn man so will, der hier Informationen darüber sammelt, wie das Leben auf der Erde beschaffen ist, sich entwickelt hat und wie es entstanden sein könnte, um durch einen Vergleich genau diese Fragen für das Leben der außerirdischen Zivilisation zu beantworten. Das ist es schließlich, was auch wir selbst wahrscheinlich versuchen würden, wenn wir die technischen Möglichkeiten hätten. Es ist insbesondere die Unwahrscheinlichkeit der Alternativen, die diese Vermutung aus meiner Sicht sinnvoll erscheinen lässt. Um den Planeten Erde um seine Ressourcen auszubeuten oder bewohnen zu wollen, hätte man tatsächlich die Menschheit bekämpfen müssen, und da das nicht passiert ist, bleibt nur ein Forschungsinteresse als sinnvolles Ziel. Wenn man die große Wahl hat, welchen Ort im Kosmos man erforschen könnte und sich für die Erde entscheidet, kann es nur an den lebenden Organismen liegen, die diesen Planeten auszeichnen. Die Untersuchung von Einzellern aus dem Pazifik wäre nützlicher, als ein Kontakt mit uns.

Was immer es also war, was Fravor und seine Kollegen über dem Pazifik gesehen haben – dass Aliens bisher keinen Kontakt zu uns gesucht haben, erscheint naheliegend. Es gäbe gute Gründe, uns zu ignorieren, und für uns ist es wahrscheinlich auch besser so.