Wirr und kaputt | „Johann Holtrop“ von Rainald Goetz

In seinem Roman "Johann Holtrop" aus dem Jahr 2012 porträtiert Rainald Goetz einen bestimmten Typus von Führungspersonal im Wirtschaftsleben der sogenannten Nuller Jahre. Die Handlung durchläuft dieses erste Jahrzehnt des einundzwanzigsten Jahrhunderts und dreht sich um den Spitzenmanager Johann Holtrop, den Vorstandsvorsitzenden der Assperg AG, eines großen, deutschen Konzerns im Medien- und Dienstleistungsbereich. Holtrop leidet …

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Geld oder Leben | „Der Besuch der alten Dame“ von Friedrich Dürrenmatt

Das eine Prozent der Reichen und die restlichen neunundneunzig Prozent leben in zwei verschiedenen Welten. So sieht es die Soziologie und so sah es die Occupy-Bewegung. Die Reichen haben sich vom Leben der Normalsterblichen abgekapselt, und zwar nicht nur durch die Villa, den Tesla und die Yacht. In Zeiten des Neoliberalismus, in denen alle Lebensbereiche …

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Böse Biologie | „Testosterone“ von Carole Hooven

Es muss einen besonderen Grund haben, wenn ein Buch über Hormone im Internet eine Aufmerksamkeit erfährt, wie es für Carole Hoovens Sachbuch "Testosterone" im Sommer 2021 der Fall war. Die Biologin und Harvard-Dozentin Hooven hat es mit diesem vermeintlich trockenen, wissenschaftlichen Thema immerhin in den Joe Rogan Podcast geschafft und im Netz für gewissen Aufruhr …

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Kants vergessene Mitspieler | „Tiere wie wir“ von Christine M. Korsgaard

Die meisten Menschen die ich kenne sind sich einig, dass wir Tiere oft nicht gut behandeln. Die Grausamkeit von Tiertransporten und die Zustände in Legebatterien sind allgemein bekannt. Manche würden am liebsten die Massentierhaltung oder vielleicht sogar jede Tierhaltung ganz abschaffen, während andere so weit nicht gehen würden, aber dass sich an unserem Umgang mit …

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Nach dem Weltuntergang | „Die Straße“ von Cormac McCarthy

Was bleibt übrig, wenn die Welt untergegangen ist? Cormac McCarthys Roman "Die Straße" ("The Road") aus dem Jahr 2006 zeigt eine düstere, post-apokalyptische Welt. Die Vegetation ist tot, Tiere gibt es nicht mehr, Städte und Dörfer sind verwaist. Nur ein paar Menschen leben noch und sie sind vor einander auf der Flucht, denn die letzten …

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Existenzielle Wohngemeinschaften | „Sphären I, Blasen“ von Peter Sloterdijk

Mit dem Begriff der Sphäre waren seit der Antike die Himmelsschalen verknüpft, von denen man dachte, dass sie die Erde einhüllen und dass an ihnen die Himmelskörper befestigt sind. Den wissenschaftlichen Fortschritt hin zu einer modernen Kosmologie verbildlicht Peter Sloterdijk am Anfang seines Buches als ein Durchbrechen dieser Himmelssphären. Der Mensch dringt mit seinem Wissen …

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Heiliger Krieg | „Ilias“ von Homer

Homers Ilias ist einer der bedeutendsten Klassiker der europäischen Literaturgeschichte, und dabei ist es nur der Mittelteil einer Chronologie des Trojanischen Krieges, die ursprünglich aus drei Texten unterschiedlicher Autoren bestand. Der erste und der letzte Teil dieser monumentalen Trilogie sind verschollen, nur ihre Inhaltsverzeichnisse sind überliefert, und so bleibt die Ilias, die eigentlich nur ein …

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Aufräumarbeiten im Diskurs | „Archäologie des Wissens“ von Michel Foucault

Die Geschichte der Ideen und insbesondere der Wissenschaften wird uns oft als eine klar in Kapitel unterteilbare Chronologie präsentiert. Anscheinend gibt es immer wieder lange Epochen mit nur sehr langsamen Fortschritten oder sogar Stagnation, bis einem großen Denker ein Durchbruch gelingt und alles wieder in Bewegung gerät. Einzelne Werke eines Newton, Darwin, Freud oder Einstein …

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Der zweite Teil des Rätsels | „König Ödipus“ von Sophokles

Nach der Sage, die deutlich älter ist, als das berühmte Theaterstück, hatte Ödipus die Region um die Stadt Theben von der Herrschaft der tyrannischen Sphinx befreit. Dieses dämonische Mischwesen aus Frau und Löwe behelligte alle Vorbeikommenden mit einem Rätsel: Was ist es, das mit einer Stimme begabt, bald vierbeinig, zweibeinig und dreibeinig wird? Wer die …

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Traulich und treu ist’s nur in der Tiefe | „Nullzeit“ von Juli Zeh

Sven, der Ich-Erzähler des Romans "Nullzeit" ist leidenschaftlicher Taucher und hat irgendwann einmal ein Jurastudium abgeschlossen. Das sind aber schon die beiden einzigen Gemeinsamkeiten mit der Autorin des Romans. Denn im Gegensatz zur öffentlich sehr präsenten (manchmal vielleicht überpräsenten?) Juli Zeh, die neben ihrer literarischen, politischen und journalistischen Aktivität nicht nur eine Promotion abgeschlossen hat, …

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