Traulich und treu ist’s nur in der Tiefe | „Nullzeit“ von Juli Zeh

Sven, der Ich-Erzähler des Romans "Nullzeit" ist leidenschaftlicher Taucher und hat irgendwann einmal ein Jurastudium abgeschlossen. Das sind aber schon die beiden einzigen Gemeinsamkeiten mit der Autorin des Romans. Denn im Gegensatz zur öffentlich sehr präsenten (manchmal vielleicht überpräsenten?) Juli Zeh, die neben ihrer literarischen, politischen und journalistischen Aktivität nicht nur eine Promotion abgeschlossen hat, …

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Mother, should I build the wall? | „Symbole der Wandlung“ von Carl Jung

In seinem Buch "Symbole der Wandlung" analysiert Carl Jung mythologische Stoffe und Symbole aus allen fünf Kontinenten und verschiedensten Epochen der Menschheitsgeschichte und arbeitet ihre Verbindungslinien zur menschlichen Psyche heraus. Der Ausgangspunkt des Buches ist die Traumdeutung von Jungs Freund und Lehrer Sigmund Freud, über die Jung mit diesem Werk weit hinausgeht. Zunächst stimmt Jung …

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Die Erbsünde der Wissenschaft | „Leben des Galilei“ von Bertolt Brecht

Bertolt Brechts politisches Stück "Leben des Galilei" handelt von der Wechselwirkung zwischen der Forschung und ihren politischen und wirtschaftlichen Zwängen und formuliert eine Antwort auf die Frage, wozu Wissenschaft überhaupt gut ist. Galileo Galilei unterrichtet Mathematik an der Universität in Padua und erforscht nebenbei in seinem heimischen Studierzimmer die Bewegung der Himmelskörper. Die venezianische Obrigkeit …

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Unterwegs zu sich selbst | „Frausein“ von Mely Kiyak

Nach ihrem im Jahr 2018 veröffentlichten Essay "Haltung" ist zwei Jahre später nun "Frausein" das zweite Buch in relativ kurzer Zeit, in dem Mely Kiyak gesellschaftliche Themen und persönliche Erfahrungen mit einander verbindet. In "Haltung" ging es um die hilflose Reaktion deutscher Medien auf den neu aufblühenden Rechtsextremismus. Enttäuscht von der eigenen Branche, die den …

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Der blinde Fleck | „Geist und Kosmos“ von Thomas Nagel

Das große Ziel der Naturwissenschaften ist es, prinzipiell alles erklären zu können. Etwas erklären bedeutet in der Regel, es zurückzuführen auf etwas Einfacheres, das bereits erklärt ist, und es so in eine möglichst lückenlose Kette von Erklärungen einzubetten, die bis zu den elementarsten Wahrheiten hinunterreicht, die nicht weiter erklärt werden müssen oder können. Die komplexen …

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An der schönen Oberfläche | „Das Bildnis des Dorian Gray“ von Oscar Wilde

Wie Goethes berühmtestes Drama beginnt auch Wildes einziger Roman mit einem Dialog zwischen Gott und Teufel. Ersterer ist hier vertreten durch den Maler Basil Hallward, letzterer durch seinen alten Schulfreund Lord Henry Wotton. Hallward ist ein gutmütiger Schöpfer mal herausragender und mal mittelmäßiger Kunst und Lord Wotton ist ein zynischer, herablassender Dandy, der zu jedem …

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Die Welt aus der Sicht eines Idioten | „Serotonin“ von Michel Houellebecq

Im Jahr 2008 gab Michel Houellebecq mit einer Mischung aus Selbstkritik und Koketterie in seinem Briefwechsel mit Bernard-Henri Levy die folgende Selbstbeschreibung: "Als stilloser Autor platter Bücher bin ich nur durch eine Reihe geschmacklicher Fehlurteile zu literarischer Berühmtheit gelangt, die verwirrte Kritiker vor einigen Jahren abgegeben haben. Glücklicherweise ist man meiner kurzatmigen Provokationen seither überdrüssig …

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Der falsche Mann für den Job | „Rage“ von Bob Woodward

Bob Woodward ist eine Ausnahmeerscheinung im amerikanischen Journalismus. Seine Enthüllungsarbeit zum Watergate-Skandal zusammen mit seinem Reporterkollegen Carl Bernstein, die beide 1974 in ihrem Buch "All the President's Men" zusammenfassten und die später mit Robert Redford als Woodward und Dustin Hoffman als Bernstein verfilmt wurde, gilt als Meilenstein der investigativen Recherche und führte zum Rücktritt von …

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Im freien Fall | „Michael Kohlhaas“ von Heinrich von Kleist

Wie ein Zauberer, der behauptet, er werde gleich seinen Assistenten in zwei Teile zersägen, und dem man dann interessiert dabei zusieht, nicht weil man glaubt, dass der arme Mann tatsächlich halbiert wird, sondern wegen seiner Kunst, das Unmögliche real aussehen zu lassen, so beginnt auch Heinrich von Kleist seine berühmte Novelle "Michael Kohlhaas" mit einer …

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Maximale Entropie | „Die Versteigerung von No. 49“ von Thomas Pynchon

Thomas Pynchon, der leider nicht für ein Interview zur Verfügung stand, gilt wegen seiner Zurückgezogenheit als die große, rätselhafte Figur der amerikanischen Gegenwartsliteratur. "Die Versteigerung von No. 49" aus dem Jahr 1966 ist sein zweiter und bisher kürzester Roman. Die Hauptfigur namens Oedipa erfährt eines Tages, dass sie zur Testamentsvollstreckerin des verstorbenen Multimillionärs Pierce Inverarity …

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